Poesie

E.E. Jeziorek

E.E. Jeziorek

Ich fürchte mich

Ich fürchte der Menschen Dummheit so sehr,
Die gedankenlos brüllt und keift,
Die kauft der Propheten Geschwätz hinterher
Und Weisheit an ihrer Leine schleift.

Ich fürchte die Niedertracht unserer Art,
Die im Namen des Ziels ihre Mittel weiht,
Die Knochen der Ahnen aus Gräbern scharrt
Und Keime des Hasses ins Morgen streut.

Ich fürchte der Menschen unstillbare Gier,
Die unsere Welt zu Münzen prägt,
Die kein Erbarmen kennt mit den Armen hier
Und Menschen nur nach ihrem Preise wägt.

Ich fürchte, in dieser Welt zu leben,
Die vergebens um Menschlichkeit schreit.
Erwache, mein Bruder, du Mensch — erheb dich!
Werde kein Totengräber unserer Zeit.

Ich fürchte der Menschen Heuchelei,
Die Wahrheit in Ketten legt und zerbricht.
Mit großen Visionen im Maule dabei
Tanzt sie auf Gräbern der Redlichkeit.

Ich fürchte der Religion Dogmen,
Die Hirne verwässern, bis Menschen sich biegen,
Die sich im Glanz der Majestäten sonnen,
Um sich den Hintern zu wischen mit Ideologien.

Ich fürchte, in dieser Welt zu leben,
Die vergebens um Menschlichkeit schreit.
Erwache, mein Bruder, du Mensch — erheb dich!
Werde kein Totengräber unserer Zeit.

Erwache, Homo sapiens, Bruder —
Erheb dich!
Sei nicht auch du
Der Totengräber der Menschlichkeit.