Die Fabel von der Nachtigall
Als ich heut wieder radelte,
sah ich oben im Geäst
eine Nachtigall im Frühling,
die ein Eichhörnchen nicht lässt.
Verführerisch schlug er die Flügel,
spreizte stolz sein Federkleid.
„Na wart nur, du kleiner Lümmel!“,
fauchte bairisch sie nicht weit.
Da wurde das Vögelchen wütend
und pfiff mit voller Inbrunst los,
und ich hatte plötzlich das Gefühl,
ich sitz im Konzert ganz groß.
Die Noten seiner Melodie
verschmolzen mit dem Waldgebraus,
und Eichen sangen’s weiter Eichen,
und Buchen ebenso hinaus.
Ganz verzaubert von der Musik
achtete sie nicht mehr aufs Gefieder
und schenkte ihm ihr buschig Schwänzchen,
das verliebte Eichhorn wieder.
Und was ist daraus zu lernen?
Was soll man dazu noch sagen?
Hast Du nur ein kleines Vögelchen,
musst Du wenigstens schön singen können.