Poezja

E.E. Jeziorek

E.E. Jeziorek

Abnehmen

Heute möchte ich erzählen,
liebe Damen, werte Herrn,
von der schlimmsten aller Foltern,
die man „Abnehmen“ nennt so gern.

Nach sehr langem Überlegen
kam ich schließlich drauf mit List:
Schlankheit hat ein Dünner erfunden,
weil er auf die Dicken neidisch ist.

Überall nur schöne Körper,
auf Plakaten Tag für Tag.
Halbnackte Mädchen, starke Jungs,
Waschbrettbauch in Hochglanzlack.

Vor so einem Riesenposter
hörte ich ein Seufzen leis.
Da packte mich der blanke Neid –
ich zahlte meinen Schlankheitspreis.

Keine Haxe, keine Steaks,
kein Bierchen und kein Schnäpschen mehr.
Denn nur was überhaupt nicht schmeckt,
macht einen schlank – bitte sehr.

Mineralwasser ohne Bläschen,
Joggen bis zum letzten Schweiß,
Salatblättchen, eine Möhre,
Schlafen möglichst eiskalt … eis.

Zehn Kilo hab’ ich abgenommen,
war mächtig stolz auf meinen Bauch.
Ab in die Disco voller Hoffnung –
heute klappt das endlich auch.

An der Bar zwei hübsche Mädchen,
sie verschlangen mich mit Blicken.
Ich ging hin – ganz selbstbewusst –
beide schienen zu ersticken.

Da erschien so’n fetter Kerl,
glatzköpfig und ohne Stil,
rot im Gesicht wie ein Pavian-Po,
wirklich nicht besonders viel.

Er nahm die beiden kurz beiseite,
sprach nur leise, ganz galant.
Dann stiegen alle drei in den Ferrari
und verschwanden Hand in Hand.

Da zog ich meinen Schluss fürs Leben:
Mit Muskeln kommt man nicht sehr weit.
Ich fress jetzt wieder, was ich finde –
und jag’ stattdessen erst mal Geld.