Und wir wollten nur zur Sauna
Ein schöner Dienstag, der achte September,
im Jahre des Herrn zweitausend-
sechsundzwanzig.
Neun Uhr dreißig.
Wir fahren wie immer zur Sauna.
Ein Abstecher muss noch sein:
Mit den Papieren kurz zum Standesamt,
nur für ein Weilchen hinein.
Wir tragen leichte Sommersachen,
ich kurze Hosen, ganz entspannt.
Wozu sich groß in Schale machen?
Wir haben alles in der Hand.
Neun Uhr fünfzig.
Die Dame prüft die Dokumente,
im Amt geht alles seinen Gang.
Wir freuen uns über die Pointe:
Jetzt passt es endlich — Gott sei Dank.
Die Sauna wartet, also eilen
wir uns und fragen nichts mehr nach.
Wir wollen hier nur kurz verweilen —
erledigen’s und sind vom Fach.
Zehn Uhr fünfzehn.
„Welchen Termin möchten Sie für Ihre Trauung planen?“
„So bald es geht,
wir leben doch in wilder Ehe.
Und warten fällt uns …
langsam schwer.“
Die Dame sagt darauf ganz offen:
„Ich kann Sie gleich hier trauen.
Jetzt.
Wenn Sie’s erlauben.“
Wir schauen uns an
und sagen zu zweit:
„Warum denn nicht?
Ja, bitte — wir sind bereit!“
Zehn Uhr achtundzwanzig.
Schon vorbei — nun ist’s vollbracht.
Mann und Frau, wie in den Liedern.
Alles rechtens, ganz mit Brief und Siegel.
Ich noch immer in kurzen Hosen.
Wir wollten nur Papiere bringen,
nun sind wir ein vermähltes Paar.
Draußen derselbe Dienstagmorgen.
Die Sauna wartet, wunderbar.
Wozu Gewohnheiten aufgeben?
Ein Jawort unterwegs allein
ist doch kein Grund, im Eheleben
zum Körper weniger gut zu sein.